|
Wir erleben Konflikte als Krisen. Sie stören nicht nur unser allgemeines Harmoniebestreben, sondern werden oft als persönliche Angriffe empfunden. Sie verletzen, soweit wir angegriffen werden, unser Ego. Sie sind eine Bedrohung unseres Selbstwertgefühls. Sie stellen uns in Frage. Jede Kritik reizt zur gereizten Antwort. Je nach Veranlagung oder Konditionierung reagieren wir in einem Konflikt, an dem wir beteiligt sind, mit eisigem, verletztem Schweigen, mit lautem Aufbrausen oder mit Verdrängung. Wie viele Konflikte haben wir schon unbearbeitet unter den Teppich gekehrt? Dort beginnen sie zu modern und machen sich vielleicht schließlich in einer Weise wieder bemerkbar, wie es keiner vermutet hätte.
-Konflikte sind Indikatoren dafür, dass etwas in einer Beziehung oder in einem Beziehungsgeflecht nicht »rund läuft«. Deshalb sollten wir sie nicht als Katastrophen, sondern als Wachstumsknoten ansehen. Zunächst hat es den Anschein, als ob der Konflikt blockiert und sich die Dinge dadurch verschlimmern. Wenn es aber gelingt, ihn in guter Weise zu lösen, gehen wir und die anderen Beteiligten gestärkt aus dem Konflikt hervor. Die Fähigkeit eines Menschen, Konflikte zu lösen, ist ein Indikator für seine Zufriedenheit und seinen Erfolg im Leben.
Das chinesische Wort für »Streit« setzt sich aus zwei Zeichen zusammen. Das eine bedeutet, für sich genommen, »Gefahr«, das andere »Chance«. Konflikte sind natürlicher Ausdruck unseres Menschseins. Sie entstehen immer bei unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen. Sie sind also kein »Betriebsunfall« und auch kein Zeichen dafür, dass etwas bei uns nicht stimmt. Wenn wir uns in unserer Vielfalt an »Wollen, Fühlen und Verstand« ernst nehmen und annehmen wollen, dann müssen wir auch die dazugehörigen Spannungen und Konflikte akzeptieren. Wenn wir sie als mögliche Chancen sehen können, haben wir bereits den wichtigsten Schritt zu einer guten Lösung getan.
|